Für die anderen in die Welt gesetzt

Eine Rückschau auf das Begräbnis von Pater Florian Wiedemayr.
Hunderte Wegbleiterinnen und Wegbleiter nahmen Abschied vom beliebten "Don Bosco von Unterwaltersdorf".

Erinnerungen sind im Online-Kondolenzbuch der Ehemaligen und Freunde des Don Bosco Gymnasiums herzlich willkommen: HIER

Zum Lebensbild von Pater Wiedemayr

Provinzial Pater Petrus Obermüller würdigte den Einsatz von Pater Florian Wiedemayr in seiner Predigt beim Requiem am Samstag, dem 11. Jänner 2019 im Don Bosco Gymnasium Unterwaltersdorf.

Lesung: Phil. 4,4-9 Ev.: Mt. 25,31-40

Liebe Schwestern und Brüder, denn das sind wir durch den Glauben an die Auferstehung Jesu Christi!

Was wird Gott jetzt unseren Florian fragen und gleich damit verbunden, was wird Gott uns einmal am Ende unseres Lebens fragen? Ich glaube nicht, dass er zuerst fragen wird, was hast du alles falsch gemacht. Ich bin überzeugt dass er fragen wird: „Hat dich das Leben gefreut?“ „Hast du gern gelebt?“

Schauen wir gemeinsam unter dieser Frage das Leben von P. Wiedemayr an. Ich bin sicher, dass jeder und jede viele Erinnerungen und freudige Erlebnisse im Herzen trägt und viel über P. Wiedemayr erzählen könnte. Ich werde zu Beginn nur ein paar biographische Daten hervorholen.

Florian wurde am 16. Februar 1936 in Kartitsch bei Sillian in Osttirol geboren. Er war das dritte Kind seiner Eltern Johann und Theresia Wiedemayr. Die Volksschule besuchte er in Kartitsch und Lermoos. Von 1947 bis 1950 besuchte er das Realgymnasium in Lienz und kam dann hierher nach Unterwaltersdorf, wo er die Aufbaumittelschule besuchte.
Vor beinahe 67 Jahren, am 6. Mai 1953 hat er an die Direktion des Missionshauses „Maria Hilf“ in Unterwalterdorf folgenden Brief geschrieben:

„Hochwürdiger Herr Direktor! Bei den hl. Exerzitien 1953 habe ich mich endgültig entschlossen, Priester der Salesianer Don Boscos zu werden. Ich habe diese Entscheidung nach meinem besten Wissen und Erkennen, ganz frei und unbeeinflusst getroffen. Ich habe mir den Ordensstand deshalb erwählt, weil ich darin eine gewisse Sicherung sehe, dass ich mein Ziel erreiche, nämlich ein guter Priester zu werden. Und Salesianer Don Boscos will ich werden, weil ich einmal meine Arbeit als Priester besonders jungen Menschen widmen möchte. Darum bitte ich Sie aus ganzem Herzen, Hochwürdiger Herr Direktor, um Aufnahme ins Noviziat der Salesianer Don Boscos.“ Unterschrift: Florian Wiedemayr.
Wie Johannes Bosco so hatte auch Florian in jungen Jahren ein klares Ziel: Als Priester besonders für die Jugend da zu sein. Und das ist in seinem späteren Leben spürbar geworden, das Leben ganz für die Jugend zu geben.
Florian hat dann nach der Matura drei Jahre mit Jugendlichen im Lehrlingsheim in Linz gearbeitet. Er hat mit den Jugendlichen viel unternommen und sich die Haltung Don Boscos zu Eigen gemacht: „Hier bei euch fühle ich mich wohl; für mich heißt leben: mit euch sein.“

In der Beurteilung für die ewige Profess steht in den Unterlagen: „Florian hat eine gute Gesundheit, einen lebhaften Charakter, gute geistige Fähigkeiten, ist eifrig und hilfsbereit, bemüht sich sehr um Frömmigkeit und den Ordensgeist.
Nach dem Theologiestudium in Benediktbeuern ist Florian dann am 29. Juni 1964 zum Priester geweiht worden. Es folgten dann in Wien einige Jahre der Ausbildung für das Lehramt, bevor er 1970 hierher nach UW kam, wo er mit ein paar Jahren Unterbrechung sein ganzes Leben unter der Jugend verbrachte.

In diesen 45 Jahren haben ihn viele von uns kennen und schätzen gelernt. Ich denke dankbar an die Jahre mit ihm zurück, es waren die ganzen 1970-er Jahre, aber besonders von 1978 bis 1981, wo er mein Geschichtsprofessor und Erzieher war. Wie er verstanden hat das Don Bosco Fest und das Maria Hilf Fest zu feiern. Da sind unsere Augen immer größer geworden. Mit den unschlagbar günstigen Reisen nach Polen, Italien oder Griechenland hat er uns einen ganz neuen Horizont eröffnet. Die Weihnachtsbuchausstellungen waren jedes Jahr ein Hit. Die schön gestalteten Gottesdienste haben mich angesprochen. Seine Bereitschaft uns bei Schwierigkeiten in der Schule jederzeit zu helfen hat mich tief beeindruckt. Er war einfach für uns da, hatte ein offenes Ohr für unsere Sorgen und ein waches Auge für das, was wir brauchten. Ich habe einfach gemerkt: der hat mich gern und nicht nur mich. Als ich am Ende der Gymnasialzeit überlegt habe, was ich weiter machen soll, war sein Beispiel sicher maßgebend, dass ich selber Salesianer werden wollte. Von ihm habe ich gelernt mit Freude für andere da zu sein und Jugendlichen etwas zu zutrauen.

In einem Facebook Eintrag zum Tod von P. Wiedemayr steht: „Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass er einer der prägendsten Menschen meiner Jugend war. Dafür bin ich unendlich dankbar! Denn er war nicht nur Priester, Lehrer und Pädagoge. Er war ein Mensch, der andere Menschen geliebt hat, für die Jugend gelebt und so unglaublich viel gegeben hat, um aus jungen Leuten gute Menschen zu formen. Das immer mit unvergleichlicher Lebensfreude, Herzlichkeit und Engagement.“

Er war fröhlich und hat es verstanden diese Lebensfreude sehr authentisch zu vermitteln.

In der Lesung aus dem Brief an die Philipper hat Paulus geschrieben: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich euch: Freut euch!“ Freude lässt sich nicht machen und nicht befehlen, das wissen wir.

Freude entsteht einfach, wenn man seine Fähigkeiten für andere einsetzt. Das war bei Florian seine große Einfühlsamkeit, seine gute Gesprächsführung, ein außerordentliches Organisationstalent und die Begabung vor größten Schwierigkeiten nicht zu kapitulieren. Für andere da sein. Zeit haben, denn wer mir wirklich wichtig ist, für den habe ich Zeit. Das kennt jeder von uns. Wer schon mit Kindern gearbeitet hat, weiß, dass das Dasein – wirklich Interesse haben - Wunder wirkt. „Es reicht nicht die Kinder zu lieben, sie müssen es auch spüren, dass sie geliebt werden.“ Das war ein Ausspruch Don Boscos und wohl auch das Anliegen von P. Wiedemayr. Wir sind gerne zu ihm gekommen, weil er eine besondere Beziehung zu jedem aufgebaut hat. Genauso wie bei Don Bosco hatte jeder von uns den Eindruck, der Wichtigste für ihn zu sein.

„Was ihr für einen meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“ Das Handeln gegenüber den Mitmenschen zeigt wie tief die Gottesliebe ist. Von Gott zuinnerst angenommen und geliebt zu sein, diese Erfahrung hat sein Leben getragen. Daraus hat er Kraft für sein Leben geschöpft und diese Liebe wollte er nicht für sich behalten, sondern wie Don Bosco möglichst vielen erfahrbar werden lassen.

Diese Aussage vom Matthäusevangelium fasst wohl das Lebensprogramm unseres P. Florian prägnant zusammen. Für dieses glaubwürdige Zeugnis sind wir ihm besonders dankbar und darin ist er uns ein bleibendes Vorbild.

Durch sein da sein hat er die frohe Botschaft Jesu authentisch verkündet und das Leben von vielen von uns bereichert. Und ich bin überzeugt, dass ihm das auch Freude bereitet hat und er gern gelebt hat. Das Bild auf der Parte bzw. auf dem Totenbildchen spricht für sich. Möge Gott ihm nun die ewige Freude in seinem Reich schenken! Amen

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